Wir haben vor ca. 9 Monaten einen 6-8 jährigen?? Altdeutschen Schäferhund aus dem Tierheim adoptiert. Er stammt aus schlechten sozialen Verhältnissen, Anzahl der Vorbesitzer ist unklar. Als wir ihn übernommen haben, bestand seine Erziehung aus Sitz und Platz. Das war's. Über Leinenführigkeit und Hundebegegnungen brauchen wir gar nicht reden. Mittlerweile haben wir Dank der Online Kurse und mit Hilfe einer Hunderainerin vor Ort schon gute Fortschritte machen können. Was nach wie vor schwierig ist, und wo sich nur in Mäuseschritten was bewegt, ist un der Impulskontrolle. Wir haben wirklich schon viele Übungen gemacht, vieles klappt auch schon besser, aber in der Königsdisziplin Hundebegegnungen und schnelle Bewegungsreize ist es nach wie vor kritisch. Unsere Frage ist: Wieviel Veränderung kann man denn - fairerweise - von einem Hund in diesem Alter noch erwarten? Wir reden hier ja von Verhaltens- und Reaktionsmustern, die sich über Jahre gefestigt haben. Lässt sich das überhaupt noch auflösen? Wir haben das Gefühl, es hat sich vermindert und die Spitzen, wo der Hund in Hundebegegnungen uns halb den Arm auskugelt, sind nur noch selten. Dennoch hängt er nach wie vor in der Leine, oder ein Jogger/Fahrradfahrer kann auch schon mal auslösend sein. Somit bleiben Spaziergänge leider nach wie vor sehr anstrengend. Was ist denn hier eine realistische Erwartungshaltung?
Hallo Annette, auch hier ziehe ich den Hut davor, dass ihr einem älteren Hund aus dem Tierschutz ein neues zu Hause gegeben habt. Grundsätzlich sind Hunde in jedem Alter noch lernfähig, aber es ist richtig, wie du schon bemerkt hattest, alte Verhaltensmuster sind nicht ganz einfach zu durchbrechen. Es hört sich aber so an, als seid ihr bereits auf einem guten Weg, denn ihr habt in den kurzen 9 Monaten ja schon viele Fortschritte gemacht. Wie bei jungen Hunden auch, solltest du dich ganz kleinschrittig an die Herausforderung der Hundebegegnungen herantasten. Die Hundebegegnungen und auch die Jogger und Fahrradfahrer solltest du idealerweise erst einmal auf größerer Distanz trainieren, so dass ihr auch Erfolgserlebnisse verbuchen könnt und du deinen Hund loben kannst. Hört mit dem Training immer auf, wenn sich dein Hund in der jeweiligen Situation ruhig verhalten hat, dann überforderst du ihn nicht - das zum Thema Fairness. Du bewegst dich also immer an der Grenze, in der dein Hund noch ruhig bleiben kann. So verringerst du den Abstand an die Reize langsam immer mehr. Du kannst auch mal mit deinem (sehr gut aufgebauten) Abbruchsignal arbeiten, indem du deinem Hund gleich am Anfang, wenn er sich steif macht, verbietest sich auf den Reiz zu fokussieren. Sprich hier am Besten auch einmal mit deiner Trainerin, damit du dir das Abbruchsignal nicht „verbrennst“. Ihr habt ja noch einige schöne Jahre vor euch, da lohnt sich das Arbeiten an der Impulskontrolle in jedem Fall. Ich würde euch hier auch den Kurs und auch das live-Webinar am Donnerstag mit Maren Grote zum Thema Frustrationstoleranz ans Herz legen. Vielleicht kannst du auch einmal paar Freunde für das Training einspannen, so dass ihr die Situationen mit Fahrrädern, Joggern und Hundebegegnungen regelrecht üben könnt. Dann werdet ihr auch hier sicher bald die nächsten Erfolge sehen. Liebe Grüße Beate vom Team der Doguniversity
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