Hallo zusammen, wir arbeiten gerade mit unseren Junghund (Golden Retriever aus der Arbeitslinie, 19 Wochen) an der Frustrationstoleranz. Leider ist Frust sein Thema. Begrenzen wir ihn räumlich (z.B. Deckentraining), wechselt er von der Erwartungshaltung ganz schnell in den Frust. Er motzt, beißt in die Decke und Leine, schnappt nach uns und bellt alles an. Wir haben es mit Stellvertreterkonflikten versucht. Belohnungsaufschub klappt super. Auch Leckerchen verbieten ist kein Problem. Da nimmt er sich toll zurück auch ohne Belohnung. Aber alles was über Begrenzung läuft, fällt ihm wahnsinnig schwer. Wenn er merkt, dass es nix mehr gibt, wird er richtig wütend. Nehm ich ihn zwischen die Beine (Ruheposition), schnappt er nach meinen Händen, legt sich hin, rollt sich auf den Rücken und macht den Kasper. Auf der Decke wird gemault und die Decke attackiert. Er geht non stop in den Konflikt und entspannt sich nicht. Hat er Hunger, bellt er die Tür zum Raum an, in dem sein Futter aufbewahrt wird, Möbel werden angenagt und die Kinder gestellt, wenn sie da sind. Ruhe, wenn er unter Stress ist, klappt aktuell nur, wenn wir die Leine ganz kurz nehmen, den Fuß drauf stellen und ihn ignorieren. In entspannten Situationen, wenn er müde ist und satt, kommt er auch auf der Decke zur Ruhe. Wir wollen aber, dass er es auch in anderen Settings schafft, in die Entspannung zukommen. Daher haben wir mit dem Kurs der Doguniversity zum Frustrationstraining begonnen. Die Viedos sind toll. Super erklärt und total nachvollziehbar. Allerdings reagiert unser Hund bei den Übungen mit seeeeeeehr viel mehr Frust als die süße Schnipsel in den Videos und ich frage mich, was man unserem Hund zumuten kann. Deshalb meine Frage an euch: Bei welchen Frustsignalen muss ich das Ganze abbrechen? Bis wohin ist es okay, den Hund den Frust ertragen zu lassen? Was mach ich, wenn er Möbel/meine Hand attackiert? In welchen Abständen sollte ich die Frustration provozieren (Beispiel „unerreichbares Futter“)? Wenn es ihm sehr schwer fällt, lieber mehrmals die Woche oder mit größeren Abständen? Ich möchte ja auch keine Ängste oder Trauma schaffen. Freu mich über Tipps und Rückmeldungen.
Liebe Sarah, ich würde dir zusätzlich noch das Buch von Maren Grote zur Frustrationstoleranz empfehlen. Dort beschreibt sie die erste Übung in der du erkennen kannst wann das richtige Level erreicht ist um weiterzumachen sehr gut. Diese Übung geht über zwei Stunden im längsten Fall und zeigt Euch wann es zuviel ist und wann genau richtig. In hohem Grunderregungszustand würde ich das allerdings nicht machen. Beim Deckentraining würde ich das aussitzen egal was er macht. In ruhig daran hindern in die Decke und Leine zu beissen. Möglichst mit einer Engelsgeduld und in aller Ruhe. Nehmt euch hier Zeit, das kann dauern. Ich würde lieber öfter kleine Übungen machen, die er leicht bewältigen kann und dann erst steigern. Vielleicht gibt's bei Euch in der Nähe auch einen Trainer der euch da begleiten kann? Ich kann mir vorstellen das das schwierig ist, wenn euer Goldie so heftig reagiert. Wünsche euch alles gute und bleibt dran, das wird😊
Liebe Sarah, ich habe leider keine Tipps für dich, denn ich habe exakt dieselben Probleme mit meiner Schäferhündin (7 Monate). Ich habe noch dazu Fibromyalgie, weshalb es mir um ein Vielfaches mehr weh tut, wenn sie mich beißt, als einem gesunden Menschen. An schlechten Tagen sind die Schmerzen so heftig, dass ich vor meinem Hund flüchte, weil ich nicht mehr ruhig reagieren kann. Ich bin dann schier am Verzweifeln. Hundetrainer konnten mir bisher nicht helfen.
Oh, das klingt ja schrecklich. So schlimm ist es bei uns Gott sei Dank nicht. Unser Rüde beißt auch nicht aggressiv, er schnappt nur nach uns, wenn er gefrustet ist, dies aber gehemmt. Z. B. Wenn wir ihn zurück zur Decke führen. Ich hab nicht den Eindruck, dass er uns verletzt oder angreifen will. Es ist sein Versuch sich aus unangenehmen Situationen raus zu winden und in vielen anderen Setting klappt es mit der Selbstregulstion ja auch ganz toll. Waren beispielsweise letzte Woche im Restaurant. Die Leine konnten wir an einer Säule hinter unserem Tisch befestigen. Der Kleine hat sich sofort hingelegt und die gaaanze Zeit geschlafen, trotz Trubel im belebten Restaurant. Aber Zuhause ist es manchmal schwierig. Das Buch habe ich jetzt bestellt, das Sandra empfohlen hat. Den Onlinekurs machen wir ja auch. Und den find ich echt gut. Hab mich einfach gefragt, wie viel Frust/Erregung gut ist, um zu lernen und ab wann es der Entwicklung eher schadet, weil er zu sehr ausflippt. Freu mich auf's Lesen!
Im Buch findest du die Antworten darauf. Ich hoffe es hilft dir und viel Erfolg beim Lernen 😊
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